Der neue Bluetooth-Standard «LE Audio» soll die derzeitigen Bluetooth-Audiostandards Classic Audio, MFi und ASHA ablösen. Das soll eine verbesserte Kompatibilität zwischen Hörgeräten und Geräten wie Smartphones, Tablets, Laptops, oder Fernsehern ermöglichen. LE Audio bietet mit Auracast zudem eine Broadcast-Funktion, die in Zukunft für Höranlagen in Versammlungsräumen, Kinos, Kirchen und ähnlichen Räumen eingesetzt werden soll. Auracast ist in diesem Kontext als Alternative zur Telefonspule zu verstehen.
Die wesentlichen Vorteile von LE Audio zu aktuellen Bluetooth Standards sind:
Derzeit sind nur wenige Hörgeräte mit LE Audio und Auracast verfügbar, doch die Zahl dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Wer für diese Technologie gerüstet sein möchte, sollte sich beim Kauf von Hörgeräten nach LE Audio- und Auracast-fähigen Geräten oder solchen mit „ready“-Status erkundigen. Letztere haben LE Audio und Auracast noch nicht aktiviert, verfügen aber über die notwendige Hardware. Bluetooth LE Audio und/oder Auracast können also per Software-Update aktiviert werden.
* Hörsysteme sind Hörgeräte, Cochlea Implantate und andere Hörhilfen.
Stand: Januar 2026
Bluetooth LE Audio ist der neue Standard für energieeffiziente, hochwertige Audioübertragung. Auracast ist eine Funktion davon und ermöglicht das öffentliche oder geschützte Aussenden von Audio, das Nutzer direkt mit Hörgeräten, Kopfhörern oder Smartphones auswählen können.
Bisher nutzten Hörsysteme meist eigene Übertragungsstandards wie MFi (Made for iPhone) oder ASHA (Audio Streaming for Hearing Aids). Nur wenige Hörgeräte unterstützen das weit verbreitete Bluetooth Classic Audio, das in Fernsehern, Kopfhörern, Lautsprechern und Computern üblich ist. Dadurch können sich Menschen mit Hörsystemen heute oft nicht wie guthörende Personen per Bluetooth verbinden. LE Audio beseitigt diese Einschränkung, weil Hörgeräte, Kopfhörer und Alltagsgeräte künftig denselben Standard nutzen.
Auracast ist eine Funktion von Bluetooth LE Audio, mit der Audio wie ein «Mini‑Radiosender» öffentlich oder geschützt ausgesendet werden kann. Nutzer können diesen Audiostream mit Hörgeräten, Kopfhörern oder Smartphones auswählen und direkt anhören.
Die Telefonspule bleibt weiterhin wichtig. Bestehende induktive Höranlagen sowie FM‑ und IR‑Anlagen mit Empfängern und Halsschleifen werden noch lange weiterbetrieben und nicht sofort auf Auracast umgerüstet. Wer alle heutigen Höranlagen nutzen möchte, benötigt daher eine aktive Telefonspule im Hörsystem. Ohne T‑Spule ist kein Empfang möglich – oder nur über zusätzliches Zubehör, das oft fehlt und verschiedene Nachteile mit sich bringt.
Ja, grundsätzlich sind Auracast‑Empfänger herstellerunabhängig mit allen Auracast‑Sendern kompatibel. Allerdings gibt es Geräte, die nicht oder nur eingeschränkt mit Produkten anderer Hersteller funktionieren. Gründe dafür können softwarebedingte Einschränkungen oder das Bedienkonzept einzelner Empfänger sein.
Es existieren bereits Empfänger für den privaten Gebrauch, die technisch mit allen Sendern kompatibel sind. Die von uns getesteten Modelle weisen jedoch noch verschiedene Einschränkungen auf. Deshalb können wir Stand Anfang 2026 keine dieser Lösungen vorbehaltslos empfehlen und raten – wenn möglich – abzuwarten, bis neue Geräte oder verbesserte Software bzw. Apps verfügbar sind.
Ja, es gibt Leistungsunterschiede zwischen verschiedenen Auracast‑Sendern und ‑Empfängern. Bei Sendern betreffen sie vor allem Sendeleistung, Antennendesign, Robustheit des Audiostreams (Reichweite), Verzögerung (Latenz), Audioeinstellungen wie Samplingrate sowie die Frage, ob Name und PIN editierbar sind. Empfänger unterscheiden sich insbesondere in der Verzögerung, der Antennenempfindlichkeit (Empfangsqualität und ‑bereich) sowie im Bedienkonzept (App, Display, Tasten).
Die effektive Latenz ergibt sich immer aus der Kombination von Sender und Empfänger und hängt nur geringfügig von der am Sender gewählten Audioqualität ab. Sender und Empfänger müssen dabei nicht vom gleichen Hersteller stammen. In unseren Tests zeigten Kopfhörer und Hörsysteme jedoch eine höhere Verzögerung als spezielle Auracast‑Empfänger mit Kopfhöreranschluss.
Ja, das ist möglich – entweder mit einem Auracast‑fähigen Fernseher oder mit einem Auracast‑TV‑Streamer am Fernseher.
In unseren Tests Anfang 2026 zeigten sich jedoch noch einige Nachteile: Damit Unbefugte Ihren TV‑Ton nicht mithören können, sollte der Auracast‑Stream per PIN geschützt werden. Wählen Sie den TV‑Ton über Ihr Smartphone für Ihre Hörsysteme aus, muss dieser PIN derzeit jedes Mal erneut eingegeben werden – besonders bei längeren PINs wenig komfortabel. Wir hoffen, dass die Hersteller künftig ermöglichen, den PIN zu speichern.
Stand heute kann daher ein TV‑Streamer des Hörsystemherstellers Vorteile bei der Bedienung bieten und bleibt eine sinnvolle Option.
Auracast-fähige Hörgeräte
Auracast-Ready / vorbereitet
LE Audio, aber kein Auracast
Das Gerät verfügt über die notwendige Hardware für Auracast, und der Hersteller kann die Funktion per Software‑Update aktivieren. Aktuell unterstützt das Gerät Auracast jedoch noch nicht.
Auracast ist seit Ende 2023 erstmals mit dem Hörgerät GN ReSound Nexia erhältlich. Seither folgen weitere Hersteller. Kopfhörer, Smartphones und andere Geräte kommen vermehrt seit 2025 auf den Markt. Lösungen für öffentliche Räume sind ebenfalls seit Anfang 2025 verfügbar und werden zunehmend als Ergänzung oder Alternative zu induktiven Höranlagen eingesetzt.
Nein. Apple hat Auracast derzeit weder in iPhones, iPads, MacBooks, AirPods noch im Apple TV aktiviert. Einige Geräte verfügen jedoch über Bluetooth 5.3 und gelten damit als theoretisch Auracast‑ready. Ob sie die technischen Anforderungen vollständig erfüllen und ob Apple Auracast per Software‑Update freischalten wird, ist nicht bekannt. Es gibt Hinweise, dass Apple bereits heute Bluetooth LE Audio in AirPods nutzt – die Basis, auf der Auracast aufbaut.
Geräte mit Bluetooth 5.3 (theoretisch Auracast-ready):
Vollständiges Auracast unterstützen (Senden und Assistent):
Samsung (ab One UI 6.1)
Xiaomi
Geräte mit Auracast – Assistent, aber ohne Auracast-Senden:
Samsung
Aktuelle Hörgeräte unterstützen ausschliesslich Standard-Quality (16 und 24 kHz). Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher können dagegen alle Qualitäten empfangen. In öffentlichen Räumen müssen Auracast-Sender deshalb immer mit Standard‑Quality betrieben werden.
Viele Auracast‑Sender erlauben die Wahl zwischen 16 kHz, 24 kHz oder 48 kHz bzw. zwischen Standard‑Quality (16 oder 24 kHz) und High‑Quality (48 kHz). Die Abtastrate bestimmt die Audioqualität.
Aktuelle Hörgeräte unterstützen ausschliesslich Standard‑Quality (16 und 24 kHz). Kopfhörer und Bluetooth‑Lautsprecher können dagegen alle Qualitäten empfangen, inklusive 48 kHz.
In öffentlichen Räumen müssen Auracast‑Sender deshalb immer mit Standard‑Quality betrieben werden. Zusätzlich darf ein zweiter Stream in High‑Quality (48 kHz) angeboten werden.
Grundsätzlich ist es technisch möglich, gleichzeitig Musik über LE Audio oder Auracast zu hören und parallel einen zweiten Auracast‑Stream für Durchsagen zu empfangen. Ob diese Funktion vorhanden ist und ob etwa Musik bei einer Durchsage automatisch stummgeschaltet wird, hängt jedoch vom jeweiligen Hörgerät oder Kopfhörer ab.
Stand Januar 2026 ist kein Gerät bekannt, das diese Funktion unterstützt.
Das hängt vom jeweiligen Auracast‑Empfänger ab. Ein uns bekanntes Gerät (Humantechnik earisMAX) erlaubt in der App einen Prioritäts‑Stream, der beim Einschalten automatisch verbunden wird. Grundsätzlich sollte man jedoch davon ausgehen, dass Auracast‑Streams jeweils manuell ausgewählt werden müssen.
Theoretisch ja – das Konzept sieht vor, dass ein Empfänger automatisch zum stärksten Sender mit identischem Auracast‑Stream wechselt. Es existieren spezialisierte Empfänger, die dieses automatische Umschalten unterstützen. Wegen sicherheitsrelevanter Risiken (Spoofing) zögern Hersteller jedoch, diese Funktion in Kopfhörer oder Hörgeräte einzusetzen. Stand Januar 2026 ist uns kein Gerät bekannt, das diese Funktion tatsächlich bietet, ausser das erwähnte.
Unsere Messungen aus dem Jahr 2025 zeigen bei Auracast in der Regel 30–40 ms, in einzelnen Fällen 50–70 ms. Bei Hörgeräten liegen die Werte meist zwischen 50–80 ms, selten bis 100 ms. Zusätzlich verursacht die vorgeschaltete Audioanlage eine weitere Verzögerung von 5–25 ms, sodass die effektive Gesamtlatenz entsprechend höher ausfallen kann.
Verlässliche Grenzwerte dafür, ab wann Lippenlesen erschwert wird oder zu erhöhter Ermüdung führt, existieren bislang nicht. Die zwei uns vorliegenden Referenzdokumente nennen jedoch folgende Bereiche:
1) ITU‑R BT.1359‑1 – Relative Timing of Sound and Vision
2) Summerfield 1992 – Lipreading and Audio‑Visual Speech Perception
Derzeit ist eine unbemerkte Umleitung auf einen Fake‑Sender nicht möglich, da Roaming zwischen Auracast‑Sendern in heutigen Hörgeräten und Kopfhörern nicht implementiert ist.
Sollte Roaming künftig integriert werden, besteht nach heutigem Wissensstand tatsächlich das Risiko, dass Nutzer:innen durch Spoofing auf falsche Sender umgeleitet werden könnten. Das Problem ist Bluetooth und Herstellern bekannt und wir gehen davon aus, dass an Lösungen gearbeitet wird.
Die Reichweite von Auracast‑Sendern unterscheidet sich zwischen professionellen und Consumer‑Geräten; einige Hersteller nennen bis zu 100 m. Da sie jedoch stark von Raum, Einrichtung, Menschen, anderen 2.4‑GHz‑Geräten und der Senderposition abhängt, gibt es keine eindeutige Angabe. Wir empfehlen aktuell, bei professionellen Sendern mit rund 30 m zuverlässiger Distanz zu planen. Ein Sender deckt damit einen Kreis von etwa 60 m ab. Grössere Bereiche lassen sich mit mehreren Sendern versorgen, sodass auch sehr grosse Flächen vollständig abgedeckt werden können.
Assistent
er Auracast‑Assistent ermöglicht die Bedienung von Auracast‑Empfängern wie Hörgeräten, Kopfhörern und Bluetooth‑Lautsprechern. Er unterstützt vor allem das Suchen und Auswählen von Auracast‑Streams sowie die Eingabe von PIN‑Codes. Diese Funktion ist in der Regel in Apps von Auracast‑Empfängern oder direkt in kompatiblen Auracast‑Smartphones integriert.
Einige professionelle Auracast‑Empfänger bieten die Bedienung direkt am Gerät über Display und Tasten. JBL hat die Steuerung zudem ins Ladecase der Tour Pro 3 In‑Ear‑Kopfhörer integriert.
PIN-Code
Ein Auracast‑PIN‑Code dient dazu, einen Sender vor unbefugten Verbindungen zu schützen. Nur Nutzer, die den PIN kennen, können den entsprechenden Audiostream empfangen. Damit lassen sich geschützte oder nicht‑öffentliche Übertragungen zuverlässig absichern.
Audioqualität und Abtastrate
Die Audioqualität von Auracast wird durch die Abtastrate bestimmt. Sie legt fest, bis zu welcher Frequenz ein Signal übertragen werden kann (obere Grenzfrequenz ≈ Abtastrate / 2).
Hörgeräte unterstützen 16 kHz und 24 kHz, jedoch kein 48 kHz. Jeder öffentliche Auracast‑Sender muss daher mindestens 16 kHz oder 24 kHz senden; optional kann ein zweiter Stream in 48 kHz angeboten werden (im Namen erkennbar).
High-Quality
High‑Quality bezeichnet einen Auracast-Stream, der mit 48 kHz Abtastrate arbeitet und damit Kopfhöreren und Lautsprechern, jedoch nicht mit Hörgeräten kompatibel ist.
Standard-Quality
Standard‑Quality bezeichnet einen Auracast-Stream, der mit 16 kHz oder 24 kHz Abtastrate arbeitet und damit mit Hörgeräten, Kopfhörern und Lautsprechern kompatibel ist.
Auracast-Stream
Ein Auracast‑Stream ist ein drahtlos übertragener Audiokanal, den ein Auracast-Sender öffentlich oder geschützt aussendet. Nutzer können diesen Stream mit kompatiblen Geräten wie Hörgeräten, Kopfhörern oder Lautsprechern empfangen.
Broadcast Name und Stream Name
Der Broadcast Name ist der öffentliche Name eines Auracast‑Senders. Er erscheint in der Liste der verfügbaren Auracast‑Übertragungen und hilft Nutzern, den richtigen Sender auszuwählen.
Der Stream Name bezeichnet den einzelnen Audiostream innerhalb dieses Senders, z. B. „Standard-Quality“ oder „High‑Quality“ oder bei Übersetzungssystemen „Deutsch“, „Französisch“ und „Italienisch“. Ein Sender kann also mehrere Streams mit unterschiedlichen Qualitäten oder Inhalte nanbieten.
Spoofing
Spoofing bedeutet das Vortäuschen einer falschen Identität oder Quelle, um Empfänger zu täuschen. Im Auracast‑Kontext wäre das ein gefälschtes Broadcast‑Signal, das sich als offizieller Sender ausgibt. Dadurch könnten Nutzer unbemerkt auf manipulierte Inhalte umgeleitet werden.