Auracast ist eine neue Technologie für Höranlagen. Sie nutzt den neuen Bluetooth-Standard «LE Audio» (kurz für «Low Energy Audio»). Ein Sender strahlt den Ton aus – ähnlich wie ein Radiosender. Dieses Signal kann von jedem Auracast-fähigen Hörgerät, Cochlea-Implantat oder Bluetooth-Kopfhörer empfangen werden. Eine Telefonspule ist nicht nötig.
Die Vorteile von Auracast gegenüber den heutigen Lösungen sind:
Die möglichen Einsatzgebiete sind vielfältig: Vorträge in Sälen oder im Freien, Gruppenführungen, Durchsagen an Flughäfen und Bahnhöfen, Kino und Theater oder der Fernsehton zu Hause und im Fitnessstudio.
Bei der Nutzung von Auracast-Höranlagen wird ein Smartphone voraussichtlich notwendig sein, um das Hörgerät auf das Auracast-Signal umzuschalten. Ob sich das in der Praxis bewährt, wird sich zeigen. Unter Fachleuten ist dies derzeit der zentrale Kritikpunkt an der neuen Technologie.
Derzeit sind erst wenige Hörgeräte mit aktiviertem LE Audio und Auracast verfügbar. Die Zahl dürfte in den kommenden Jahren aber deutlich steigen. Wer für diese Technologie gerüstet sein möchte, sollte sich beim Kauf von Hörgeräten nach LE-Audio- und Auracast-fähigen Geräten erkundigen. Viele Hörgeräte sind heute Auracast-«ready»: Diese haben Auracast-fähige Hardware verbaut, diese aber noch nicht aktiviert. Die Funktionen können dann per Software-Update freigeschaltet werden.
Die Möglichkeiten von Auracast sind vielversprechend. Der Übergang von induktiven Höranlagen zu Auracast wird einige Jahre dauern. Alle Hörgeräte müssen zuerst mit Auracast ausgestattet sein – auch die günstigen Modelle. Es könnte bis zu zehn Jahre dauern, bis alle Nutzer:innen ihre Geräte ersetzt haben. Der Wechsel hängt vom Alter des Geräts, den finanziellen Mitteln und dem technischen Interesse ab.
Bis es so weit ist, sollten Höranlagen sowohl mit Auracast als auch mit der herkömmlichen Telefonspule funktionieren. Pro Audito Schweiz testet neue Lösungen auf ihre Handhabung und technische Funktionalität, sobald diese verfügbar sind – damit sie für Hörsystem-Träger:innen auch in der Praxis funktionieren.
Stand Januar 2026
Bluetooth LE Audio ist der neue Standard für energieeffiziente, hochwertige Audioübertragung. Auracast ist eine Funktion davon und ermöglicht das Senden (Streamen) von Audio an viele Empfänger (Hörgeräte, Kopfhörer, Smartphones) gleichzeitig.
Die Telefonspule bleibt weiterhin wichtig. Wer alle heutigen Höranlagen nutzen möchte, benötigt daher eine aktive Telefonspule im Hörsystem.
Ja, grundsätzlich sind Auracast‑Empfänger herstellerunabhängig mit allen Auracast‑Sendern kompatibel. Dies ist in der Praxis heute leider nicht immer der Fall.
Ja, es gibt Leistungsunterschiede zwischen verschiedenen Auracast‑Sendern und Empfängern. In unseren Tests zeigten Kopfhörer und Hörsysteme eine höhere Verzögerung als spezielle Auracast Empfänger mit Kopfhöreranschluss.
Ein Auracast-Stream ist ein drahtlos übertragener Audiokanal, den ein Auracast-Sender aussendet. Nutzer können diesen Stream mit kompatiblen Geräten wie Hörgeräten, Kopfhörern oder Lautsprechern empfangen.
Ja, das ist möglich. Entweder mit einem Auracast-fähigen Fernseher oder mit einem Auracast TV-Streamer am Fernseher.
Auracast-fähige Hörgeräte
Auracast-Ready / vorbereitet
LE Audio, aber kein Auracast
Das Gerät verfügt über die notwendige Hardware für Auracast, und der Hersteller kann die Funktion per Software-Update aktivieren.
Auracast ist seit Ende 2023 erstmals mit dem Hörgerät GN ReSound Nexia erhältlich. Kopfhörer, Smartphones und andere Geräte kommen vermehrt seit 2025 auf den Markt. Lösungen für öffentliche Räume sind seit Anfang 2025 verfügbar.
Nein. Apple hat Auracast derzeit weder in iPhones, iPads, MacBooks, AirPods noch im Apple TV aktiviert.
Geräte mit Bluetooth 5.3 (theoretisch Auracast-ready):
Vollständiges Auracast unterstützen (Senden und Assistent):
Samsung (ab One UI 6.1)
Xiaomi
Geräte mit Auracast – Assistent, aber ohne Auracast-Senden:
Samsung
Aktuelle Hörgeräte unterstützen ausschliesslich Standard-Quality (16 und 24 kHz). Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher können dagegen alle Qualitäten empfangen. In öffentlichen Räumen müssen Auracast-Sender deshalb immer mit Standard‑Quality betrieben werden.
Stand Januar 2026 ist kein Gerät bekannt, das diese Funktion unterstützt.
Das hängt vom jeweiligen Auracast-Empfänger ab. Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass Auracast-Streams jeweils manuell ausgewählt werden müssen.
Theoretisch ja – das Konzept sieht vor, dass ein Empfänger automatisch zum stärksten Sender mit identischem Auracast-Stream wechselt. Stand Januar 2026 ist dies jedoch meist noch nicht in den Geräten implementiert.
Die Reichweite von Auracast-Sendern unterscheidet sich zwischen professionellen und Consumer-Geräten; einige Hersteller nennen bis zu 100 m. Grössere Bereiche lassen sich mit mehreren Sendern versorgen, sodass auch sehr grosse Flächen vollständig abgedeckt werden können.
Ein Auracast PIN-Code dient dazu, einen Sender vor unbefugten Verbindungen zu schützen. Nur Nutzer, die den PIN kennen, können den entsprechenden Audiostream empfangen.
Die Audioqualität von Auracast wird durch die Abtastrate bestimmt.
Derzeit ist eine unbemerkte Umleitung auf einen Fake-Sender nicht möglich, da Roaming zwischen Auracast-Sendern in heutigen Hörgeräten und Kopfhörern nicht implementiert ist. Das Problem ist Bluetooth und Herstellern bekannt und wir gehen davon aus, dass an Lösungen gearbeitet wird.
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