Alles zu Höranlagen

Höranlagen sind technische Einrichtungen, die Menschen mit Schwerhörigkeit das Verstehen in Räumen mit Umgebungsgeräuschen (z.B. Theater, Hochschulen, Museen, Kongressgebäude) erleichtern. Doch wo sind diese Anlagen zu finden, welche Technologien gibt es aktuell? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Für Personen mit einer Schwerhörigkeit ist es in vielen Situationen schwierig oder nur mit grösster Anstrengung möglich einer Veranstaltung zu folgen. In besonders schlechten Bedingungen wird die Aufgabe komplett unmöglich. Vorträge, Filme, Sitzungen oder ähnliche Anlässe werden so zu einem akustischen Lückentext.

In solchen Situationen helfen Höranlagen, die das Audiosignal direkt auf das Hörgerät oder Cochlea-Implantat übertragen. Damit wird das akustische Signal klarer und die Höranstrengung reduziert.

Höranlagenpflicht in öffentlichen Räumen seit 2004

Das Behindertengleichstellungsgesetz besagt, dass öffentlich zugängliche Gebäude hindernisfrei gebaut werden müssen. Wie konkret hindernisfrei gebaut wird, definiert die Schweizer Norm «SIA 500 – Hindernisfreie Bauten». Sie schreibt etwa vor, dass Versammlungsräume in öffentlich zugänglichen Bauten mit einer Höranlage ausgerüstet sein müssen. Weiter muss bei Schalteranlagen mit einer Glastrennung mindestens ein Schalter mit einer induktiven Höranlage ausgestattet sein, und in Sporthallen müssen mindestens 20 Prozent der Zuschauerbereiche durch eine Höranlage versorgt werden.

So konkret regelt es das Recht. Die Realität sieht aber nicht immer so aus: Induktive Höranlagen entsprechen, falls überhaupt vorhanden, oft nicht den Anforderungen der international geltenden Norm IEC 60 118-4 (in der Schweiz SN EN 60118-4) oder sie sind schlicht nicht eingeschaltet.

Vielfach fehlt eine Person, die die Höranlage wartet und fachgerecht einstellt. Der häufigste Fehler ist jedoch das fehlende Piktogramm bei den Eingängen. Dies ist besonders bedauerlich, da so die Höranlagen schlicht nicht genutzt werden.

Wo finde ich Höranlagen? Im Höranlageverzeichnis!

hoeranlagenverzeichnis

Im öffentlichen Online-Höranlagenverzeichnis, das Pro Audito unterstützt, sind über tausend Räume mit Höranlagen in der Schweiz mit Detailinformationen verzeichnet. Das Höranlagenverzeichnis finden Sie in vier Sprachversionen unter: hoeranlagen.ch.

Mobile Höranlagen

In Räumen ohne eingebaute Höranlage lassen sich temporäre Höranlagen einrichten. Die mobile Höranlage ist gut transportierbar und kann im Wohnbereich eingesetzt werden. Viele Menschen mit Schwerhörigkeit nutzen mobile Höranlagen für die tägliche Kommunikation im Berufsleben: Sie tragen einen leichten Funkempfänger um den Hals, der das Signal des Sendermikrofons induktiv auf die T-Spule im Hörgerät überträgt. Mobile Höranlagen können Sie bei einem regionalen Verein von Pro Audito mieten. Hier geht es zur Bestellung.

Technologien von Höranlagen

Für Höranlagen sind unterschiedliche Technologien im Einsatz. Die Induktion ist die aktuell verbreitetste Übertragungstechnologie. Die Technologie der Zukunft ist voraussichtlich Bluetooth Auracast. Mehr dazu finden Sie hier:

Bluetooth LE Audio und Auracast

Induktive Höranlagen

Die derzeit am weitesten verbreitete Höranlagen-Technologie. Induktive Höranlagen übertragen das Sprachsignal über ein Magnetfeld in Sprechfrequenz. Dafür muss die Induktionsschleife bauseitig installiert werden. 

Infrarot-Höranlagen

Signet IR-Höranlage

Infrarot-Anlagen übertragen das Sprachsignal über unsichtbares Licht im Infrarotbereich. Hörgerätetragende benötigen spezielle, mobile Empfangsgeräte. Die Übertragung vom Empfangsgerät auf das Hörgerät funktioniert durch Induktion oder über ein Kabel.

FM-Höranlagen

Signet FM-Höranlage

FM-Anlagen übertragen das Sprachsignal über Funk. Hörgeräte-Träger:innen benötigen einen im Hörgerät eingebauten Funkempfänger oder spezielle Empfangsgeräte. Die Übertragung vom Empfangsgerät auf das Hörgerät funktioniert via Induktion oder Kabel.

WLAN-Höranlagen

Signet FM-Höranlage

WLAN-Höranlagen übertragen das Audiosignal per WLAN an das Smartphone des Nutzers. Für die Nutzung ist eine App notwendig, die je nach Hersteller unterschiedlich ist. Das Signal wird über Induktion, Kabel oder Bluetooth auf das Hörgerät übertragen. Bei WLAN-Höranlagen kommt das Audiosignal jedoch zeitverzögert im Hörsystem an. Dieser Effekt kann so störend ausfallen, dass die Höranlage keinen praktischen Nutzen stiftet. Mehr Details in der untenstehenden Infobox.

Haben Sie Fragen zu Höranlagen oder sind unsicher, ob eine Anlage noch funktioniert? Kontaktieren Sie die regionalen Pro Audito Vereine für eine neutrale Beratung oder Funktionsprüfung durch eine:n Höranlagen-Tester:in.

Höranlagen-Piktogramme

Zum direkten Download oder zur kostenlosen Bestellung

Infobox zu WLAN-Höranlagen

Die WLAN-Höranlage liegt mit „Bring-Your-Own-Device» zwar im Trend, ist aber die komplizierteste aller Höranlagen-Technologien – und hat ein erhebliches Problem: die Zeitverzögerung (Latenz).

Per App verbinden Nutzer:innen das Smartphone über WLAN mit einem Audio-Streamer und leiten das Signal via Bluetooth, Halsschlaufe oder Kopfhörer auf Ihr Hörsystem. Dabei kommt das Signal verzögert an: Man hört den Sprechenden doppelt, oder Ton und Lippenbewegung stimmen nicht überein – was den praktischen Nutzen der Anlage minimiert.

Die Latenz variiert je nach Smartphone und Übertragungsart und ist bislang nicht lösbar. WLAN ist daher – so verlockend es klingt – für die meisten Anwendungen derzeit nicht die beste Option.