Einige Menschen werden schwerhörig oder gehörlos geboren, denn Schwerhörigkeit kann erblich bedingt sein. In den meisten Fällen steckt aber etwas Anderes dahinter.
Beim Hörverlust unterscheidet man nach dem Schweregrad und der Form. Für die Schweregrade gibt es verschiedene Definitionen, die teilweise stark variieren. In der Schweiz wird häufig der Standard des Bureau International d’Audiophonologie (BIAP) verwendet. Dieses definiert Hörverlust in dBHL (Dezibel Hörverlust) so:
21 – 40 dBHL
Milder Hörverlust
41 – 70 dBHL
Moderater Hörverlust
71 – 90 dBHL
Schwerer Hörverlust
mehr als 90 dBHL
Tiefgreifender Hörverlust
Berechnet wird der dBHL-Wert durch eine Messung von vier Frequenzen: 500, 1000, 2000 und 4000 Hz, deren mittelwert auf dem besseren Ohr den Hörverlust in dBHL angeben. Die Frequenzen wurden so gewählt, weil sich darin die meisten Laute der gesprochenen Sprache befinden.
Die Schweizer Ausnahme
Für die Berechnung des Hörverlusts für eine AHV- oder IV-Gutschrift wird weder der BIAP- noch der WHO-Standard verwendet, sondern eine eigene Berechnungsmethode, die einen Wert in Prozent Hörverlust ausgibt. Dieser Wert ist kompliziert zu berechnen und nicht eins zu eins mit den dBHL-Werten vergleichbar.
Neben der Schweregrade gibt es verschiedene Formen der Schwerhörigkeit. Dabei geht es darum zu definieren, wo genau der Weg einer Schallwelle zwischen Ohrmuschel und Gehirn blockiert wird.
Der Schall wird nicht mehr richtig zum Innenohr geleitet. Ursachen können Ohrenschmalz, Entzündungen oder Missbildungen sein. Auch Erkrankungen des Mittelohrs oder Veränderungen in der Gehörknöchelchenkette können ursächlich sein. In vielen Fällen wird eine Schallleitungsschwerhörigkeit medikamentös oder operativ behoben oder zumindest verringert. Generell gilt: Menschen mit Schallleitungshörverlust hören leiser und gedämpft, aber meist richtig. Ein Hörgerät bringt vielen Betroffenen grossen Nutzen.
Diese häufigere Form entsteht durch eine Funktionsstörung im Innenohr oder an den Nervenbahnen zum Gehirn – meist durch Alter oder Lärm. Die Betroffenen hören verzerrt.
Wer das Gehör nach dem Spracherwerb (etwa ab dem dritten Lebensjahr) durch Vererbung, Krankheit oder Unfall verliert, gilt als ertaubt. Wer seit Geburt nicht hört, ist gehörlos.
Ab 30 beginnen die Ohren zu altern. Gut ein Drittel der über 60-Jährigen ist von einem altersbedingten Hörverlust betroffen, bei den über 80-Jährigen sind es über 80 Prozent. Der Grund: Feine Haarzellen im Innenohr sterben allmählich ab. Die Signale hoher Töne gelangen nicht mehr ins Hörzentrum.
Wer sich über längere Zeit einem Schallpegel von über 85 Dezibel aussetzt, schädigt sein Gehör. Starker oder lang andauernder Lärm überlastet die Haarzellen – sie erholen sich immer schlechter und sterben schliesslich ab. Das Tückische: Lärm-Hörschäden machen sich oft erst nach Jahren bemerkbar.
Die nachstehende Grafik zeigt Beispiele für Lärmbelastungen und wie schnell der Grenzwert von 85 Dezibel erreicht oder überschritten wird.
Infektionskrankheiten wie Mittelohrentzündung, Mumps, Masern, Röteln oder Meningitis können das Gehör schädigen. Dringen Bakterien ins Innenohr ein, kann das zu einer Entzündung und in Folge auch zu Innenohrschwerhörigkeit u/o einem Tinnitus führen, in schweren Fällen sogar zur Ertaubung.
Zudem gibt es bestimmte Medikamente, deren Nebenwirkungen ototoxisch wirken – sie zerstören die Haarzellen der Hörschnecke unwiderruflich. Antibiotika, aber auch vermeintlich harmlose Medikamente wie Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin, können bei längerer Anwendung oder hoher Dosierung einen Hörverlust auslösen. Pro Audito stellt Ihnen hier eine Liste ototoxischer Medikamente zur Verfügung:
Die meisten Menschen warten zu lange, bevor sie dem Hörverlust den Kampf ansagen. Die Devise lautet: Je früher, desto besser. Denn wird ein Hörverlust nicht versorgt, «gewöhnt» sich das Gehirn an die Hörlücken und verlernt das Verstehen.
Behandlungsoptionen:
Hörtraining mit Lippenlesen: Auch das beste Hörgerät kompensiert einen Hörverlust nicht vollständig. Ein gezieltes Hörtraining mit Lippenlesen ist ein wichtiger Baustein für besseres Sprachverständnis – für Hörgeräte-Träger:innen ebenso wie für Cochlea-Implantierte.
Haben Sie weitere Fragen zur Schwerhörigkeit?
Kontaktieren Sie unsere Neutrale Hörberatung.
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