Die Testgruppe von Pro Audito hat für Sie insgesamt sechs Tisch- und Partnermikrofone in einem lauten Restaurant getestet. Ein zusätzliches Mikrofon kann wesentlich helfen, die Gesprächspartner:innen in einer lauten Umgebung besser zu verstehen. Doch die Auswahl pro Hersteller ist sehr begrenzt.
Die meisten Hersteller haben mindestens ein externes Mikrofon im Sortiment, das man mit dem eigenen Hörsystem koppeln kann. Manche Modelle funktionieren als Tisch- und Partnermikrofon in einem (Roger On 3, Roger Select 3, ReSound Multi-Mic+), andere sind reine Partnermikrofone (Signia StreamLine Mic, Oticon ConnectClip, Oticon EduMic). Ein Tischmikrofon legt man vor sich auf den Tisch, während ein Partnermikrofon vom Gesprächspartner oder der Gesprächspartnerin gehalten oder umgehängt wird.
Nur wenig Auswahl für ein Mikrofon
Die meisten Mikrofone haben eine proprietäre Verbindung. Das bedeutet ein Signia Mikrofon kann man grundsätzlich nur mit einem Signia Hörgerät nutzen, ein Oticon Mikrofon nur mit einem Oticon Hörgerät und so weiter. Unter bestimmten Marken gibt es Partnerschaften, wie zum Beispiel zwischen ReSound und Cochlear, die das MultiMic für beide kompatibel machen. Die Auswahl für das eigene Hörsystem beschränkt sich somit je nach Marke auf ein einziges oder wenige Geräte, die kompatibel sind. Man kann sich nicht im Fachhandel einfach ein Mikrofon nach seinen Bedürfnissen aussuchen. In unserer Testgruppe konnten die Testpersonen somit auch nicht alle Geräte testen, sondern nur jeweils die wenigen Mikrofone, die mit ihren Hörsystemen kompatibel waren.
Spezialfall Phonak Roger Mikrofone
Die Phonak Roger Mikrofone sind eine eigene Kategorie. Ihre Mikrofone sind mit vielen anderen Hörgeräten und CI kompatibel. Entweder unterstützt eine Hörgerätemarke direkt die «RogerDirect» Übertragung oder man kann sich mit einem winzigen Empfänger, dem Roger X, verbinden. Zusätzlich gibt es einen Empfänger mit induktiver Halsschleife, der das Signal auf die T-Spule im Hörgerät überträgt und spezifische Empfänger für Cochlea-Implantate.
Während andere Partnermikrofone ein oder zwei Mikrofone eingebaut haben, hat das Phonak Roger On 3 vier Mikrofone eingebaut, die im Tisch-Modus, Point-Modus oder Sprecher-Modus nutzbar sind. Das bedeutet, das Roger On 3 ist ein Tisch- und Partnermikrofon in einem. Mit der Docking-Station wird es zusätzlich zum TV Streamer. Es ist auch das einzige Gerät, das einen eigenen Bildschirm besitzt, der die Verbindung und den Modus verständlich anzeigt. Andere Hersteller verbauen lediglich ein LED-Licht, das in verschiedenen Farben leuchtet. Doch all diese Möglichkeiten haben auch ihren Preis. Ein Roger Mikrofon kostet mit ca. 2’600 CHF bis zu zehn Mal mehr als ein Mikrofon der Konkurrenz.
Resultate des Tests

Alle Mikrofone nutzen das digitale 2,4 GHz-Frequenzband zur Verbindung mit dem Hörgerät/CI, das eine sehr gute Tonqualität nahezu ohne Störgeräusche ermöglicht. Die Tonqualität ist dabei weniger vom Mikrofon selbst, sondern mehr von den getragenen Hörsystem und von der Verbindungsart abhängig. Unsere Testperson, die mittels induktiver Halsschleife verbunden war, hat als einzige die Tonqualität bemängelt.
Die Verbindung war bei allen Geräten stabil ohne Aussetzer und reichte im Test zwischen 5 und 20m Distanz. Die meisten Geräte waren einfach zu koppeln mit dem Hörgerät und verbinden sich jeweils wieder automatisch, wenn man das Gerät neu einschaltet. Lediglich das ReSound Multi-Mic musste man in unserem Test jedes Mal wieder neu koppeln.
Tischmikrofone helfen kaum im lauten Restaurant, Partnermikrofone schon
Die getesteten Tischmikrofone konnten in einer lauten Restaurant-Umgebung leider nicht viel zur Verständlichkeit beitragen. Platziert man das Gerät auf dem Tisch werden weiterhin sehr viele Störgeräusche von anderen Tischen aufgenommen. Auch eine höhere Platzierung hat nicht geholfen. Wir können Tischmikrofone (oder den Tisch-Modus) deshalb für laute Restaurants nicht empfehlen.
Auch Spezialfunktionen, wie das sogenannte MultiTalker Network (MTN) von Phonak konnte die Testgruppe im Restaurant-Setting nicht überzeugen. Wenn mehr als drei Geräte mit allen Hörsystemen verbunden wurden, brach der Kontakt zum ersten Gerät oft wieder ab. Ausserdem wird immer der «dominante» Sprecher übertragen und die anderen werden stummgeschaltet, was eine grosse Sprechdisziplin voraussetzt. Es darf immer nur eine Person sprechen.
Anders sieht es aus mit Partnermikrofonen. Sie werden idealerweise in einem Abstand von 10-20cm vom Mund getragen und schaffen es erstaunlich gut den Sprechenden von Hintergrundlärm zu separieren. Alle Testpersonen konnten ihre:n Gesprächspartner:in dank dem Partnermikrofon besser verstehen. Wenn man mit einer Gruppe im Restaurant sitzt, muss man dieses Mikrofon jedoch immer der sprechenden Person weitergeben. Dafür wird so auch eher die Sprechdisziplin eingehalten, da (hoffentlich) nur die Person mit dem Mikrofon spricht. Sitzen mehrere schwerhörige Personen mit verschiedenen Marken von Hörsystemen am Tisch, benötigt man heute ein Roger-Mikrofon, damit sich alle mit demselben Mikrofon verbinden können.
Die Zukunft mit Auracast
Mit dem neuen Auracast Standard ist es erstmals möglich, dass sich alle Hörsysteme direkt mit einem Partnermikrofon verbinden, unabhängig von der Marke. Das getestete ReSound Multi-Mic+ hat diese Funktion bereits und wir konnten uns im Test sogar mit normalen Auracast Kopfhörern mit dem Mikrofon verbinden. Theoretisch kann man in Zukunft ein beliebiges Mikrofon kaufen und mit allen Auracast-fähigen Hörsystemen verbinden. Von den Testpersonen konnte jedoch heute noch niemand Auracast empfangen.
Kostenübernahme durch IV und AHV.
Die IV (Invalidenversicherung) übernimmt in der Schweiz meist die Kosten für benötigte Hilfsmittel für den Arbeitsplatz für Personen im Erwerbsalter. Ihr Akustiker oder eine Fachstelle kann Ihnen eine Offerte für benötigte Geräte und das Gesuch an die IV erstellen. Personen im AHV-Alter bezahlen Hilfsmittel wie Mikrofone selbst.
Fazit: Nutzen Sie im lauten Restaurant am besten ein Partnermikrofon, das von Ihrem Hörgeräte- oder CI-Hersteller angeboten wird. Möchten sich Personen mit verschiedenen Marken mit einem Mikrofon verbinden, führt heute meist kein Weg an Phonak Roger vorbei.
Vielen Dank an Sonova, GN Hearing, WS Audiology Group und Demant für die Bereitstellung der Mikrofone und Hörsysteme.