«Er wird immer auf Hilfe angewiesen sein». Dieser wenig ermutigenden Vorhersage in seiner Kindheit schlägt Patrick ein Schnippchen. Der 51-jährige CI-Träger ist seit Geburt höchstgradig schwerhörig – und heute erfolgreicher Architekt und Politiker.
Ein Hörscreening, wie wir es heute kennen, gibt es noch nicht, als Patrick geboren wird. Also bleibt seine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit zunächst unentdeckt. Erst mit zwei Jahren wird Patrick mit Hörgeräten versorgt – «das war damals noch ein grosses Taschengerät, das man um den Hals tragen musste» – und an eine Schule für hörgeschädigte Kinder verwiesen. Die Zielsetzungen sind eher bescheiden. Patrick soll Schriftsprache lernen, Mundart sei zu schwierig, heisst es, und: «Die Aussichten auf ein selbständiges Leben sind nicht gegeben.»
Patrick macht seinen Weg
Aber weit gefehlt: «Ich habe durch den Spracherwerb gelernt, wenn man diszipliniert und konsequent an etwas arbeitet, hat man auch Erfolg. Das ist eine Haltung, die ich fürs Leben mitgenommen habe», sagt Patrick, der nicht nur die Regelschule, sondern auch ein Hochschulstudium erfolgreich abschliesst. Nach einigen Jahren im Angestelltenverhältnis macht er sich selbständig und gründet das Architektur-Büro, dem er auch heute noch vorsteht.
Der Schritt zum CI
«Im Jahr 2001 habe ich in Luzern ein Cochlea-Implantat eingesetzt bekommen. Innerhalb von einem halben Jahr habe ich dann das Hören neu lernen müssen und so schlussendlich mein Hörvermögen und meine Aussprache verbessert. Das war ein riesiger Gewinn.» Nötig wird dieser Eingriff vor allem, weil Patrick auf dem linken Ohr einen Hörsturz erleidet, der ihm das Restgehör nimmt und damit die Kommunikation fast unmöglich macht. «Lautlos, schmerzlos, über Nacht» sei es passiert, und er habe sich dann automatisch aus der Gesellschaft zurückgezogen, erzählt Patrick nüchtern.
Das rechte Hörgerät hat er inzwischen abgelegt – «das bringt mir keinen zusätzlichen Nutzen». Auf die Frage, warum er in all den Jahren keine zweite Implantation in Betracht gezogen habe, antwortet Patrick: «Es könnte sein, dass ich die Befürchtung habe, dass irgendetwas anders läuft als bei der ersten Operation – Schwindel beispielsweise. Andererseits steckt wohl auch meine Haltung dahinter: Strapaziere dein Glück nicht. Sei mit dem zufrieden sein, was du hast. Ich bin mit einem Gerät zufrieden.»
Möchten Sie wissen, wie Patrick auch politisch Karriere gemacht hat? Oder welcher Aspekt seiner Schwerhörigkeit ihn im Beruf am meisten stört? Dann lesen Sie den ganzen Artikel im aktuellen Dezibel.
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