Höranlagen sind technische Einrichtungen, die Menschen mit Schwerhörigkeit das Verstehen in Räumen mit Umgebungsgeräuschen (z.B. Theater, Hochschulen, Museen, Kongressgebäude) erleichtern. Doch wo sind diese Anlagen zu finden, welche Technologien gibt es aktuell? Die wichtigsten Fakten im Überblick.
Für Personen mit einer Schwerhörigkeit ist es in vielen Situationen schwierig oder nur mit grösster Anstrengung möglich einer Veranstaltung zu folgen. In besonders schlechten Bedingungen wird die Aufgabe komplett unmöglich. Vorträge, Filme, Sitzungen oder ähnliche Anlässe werden so zu einem akustischen Lückentext.
In solchen Situationen helfen Höranlagen, die das Audiosignal direkt auf das Hörgerät oder Cochlea-Implantat übertragen. Damit wird das akustische Signal klarer und die Höranstrengung reduziert.
So konkret regelt es das Recht. Die Realität sieht aber nicht immer so aus: Induktive Höranlagen entsprechen, falls überhaupt vorhanden, oft nicht den Anforderungen der international geltenden Norm IEC 60 118-4 (in der Schweiz SN EN 60118-4) oder sie sind schlicht nicht eingeschaltet.
Vielfach fehlt eine Person, die die Höranlage wartet und fachgerecht einstellt. Der häufigste Fehler ist jedoch das fehlende Piktogramm bei den Eingängen. Dies ist besonders bedauerlich, da so die Höranlagen schlicht nicht genutzt werden.
Für Höranlagen sind unterschiedliche Technologien im Einsatz. Die Induktion ist die aktuell verbreitetste Übertragungstechnologie. Die Technologie der Zukunft ist voraussichtlich Bluetooth Auracast. Mehr dazu finden Sie hier:
Induktive Höranlagen

Die derzeit am weitesten verbreitete Höranlagen-Technologie. Induktive Höranlagen übertragen das Sprachsignal über ein Magnetfeld in Sprechfrequenz. Dafür muss die Induktionsschleife bauseitig installiert werden.
Infrarot-Höranlagen

Infrarot-Anlagen übertragen das Sprachsignal über unsichtbares Licht im Infrarotbereich. Hörgerätetragende benötigen spezielle, mobile Empfangsgeräte. Die Übertragung vom Empfangsgerät auf das Hörgerät funktioniert durch Induktion oder über ein Kabel.
FM-Höranlagen

FM-Anlagen übertragen das Sprachsignal über Funk. Hörgeräte-Träger:innen benötigen einen im Hörgerät eingebauten Funkempfänger oder spezielle Empfangsgeräte. Die Übertragung vom Empfangsgerät auf das Hörgerät funktioniert via Induktion oder Kabel.
WLAN-Höranlagen

WLAN-Höranlagen übertragen das Audiosignal per WLAN an das Smartphone des Nutzers. Für die Nutzung ist eine App notwendig, die je nach Hersteller unterschiedlich ist. Das Signal wird über Induktion, Kabel oder Bluetooth auf das Hörgerät übertragen. Bei WLAN-Höranlagen kommt das Audiosignal jedoch zeitverzögert im Hörsystem an. Dieser Effekt kann so störend ausfallen, dass die Höranlage keinen praktischen Nutzen stiftet. Mehr Details in der untenstehenden Infobox.
Haben Sie Fragen zu Höranlagen oder sind unsicher, ob eine Anlage noch funktioniert? Kontaktieren Sie die regionalen Pro Audito Vereine für eine neutrale Beratung oder Funktionsprüfung durch eine:n Höranlagen-Tester:in.